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Als das Müllauto die Straße zum Nachbarhaus durchquert, wacht Hedda auf. Sie bleibt für eine Weile im Bett liegen und schaut ein Interview mit einer Frau, die als Kind entführt und irgendwo im Dschungel ausgesetzt wurde, wo sie bei den Kapuzineräffchen überlebte. Die Frau erzählt, wie sie die Signale der Affen erlernte, wie sie ständig hungrig war, wie sie Wildbeeren und Blätter von den Bäumen aß.
Hedda ruft ihre Mutter an. Die Mutter muss flüstern und sich hinter einem Farbregal verstecken, damit ihr Chef sie nicht am Handy sieht. Sie klingt traurig und sagt, sie sei sehr unglücklich über Heddas Trennung. Die Mutter legt abrupt auf und Hedda überlegt, endlich den alten Käse zu entsorgen, den ihre Vormieterin vergessen hat. Sie öffnet die Kühlschranktür und eine Schimmelwolke schlägt ihr entgegen. Käfer kriechen aus ihrem Nest heraus und der Saft von vergorenem Obst erinnert an Blut. Plötzlich klingelt ihr Handy.
Am anderen Ende der Leitung ist Leo. Er hat zwei fehlende Zähne und eine Schüssel Jogurt in seiner Linken. Außerdem hat Leo schlecht geschlafen. Seit einigen Wochen kommen seltsame Geräusche aus der Wohnung, die an sein Schlafzimmer grenzt. Sein Gehirn arbeitet die Töne nun schon in seine Träume ein. Er ist kurz davor, mit einem Weinöffner ein kleines Loch in die Wand zu bohren, um zu sehen, welche Kreatur dort so hypnotisierend wimmert.
Leo will Hedda von dem Wimmern erzählen, doch ist zu müde. Anstatt dessen schlägt er ihr einen Deal vor. Seine amerikanischen Geschäftsfreunde fürchten zwar, es könne sich dabei um eine unkluge Investition handeln. Aber was wissen die Yankees schon.
Am Nachmittag gründen Hedda und Leo per Handschlag bad deals, zur Hälfte Tagebuch, zur Hälfte Mikrobudget-Filmproduktion.
Hedda Bednarszky ist Filmautorin und Regisseurin.
Während ihres Filmstudiums in Rumänien realisierte sie kurze Dokumentarfilme wie WILD BERRIES und CATLADY, die auf Festivals wie Doclisboa, Sheffield DocFest oder Dokufest gezeigt wurden.
Seit 2022 macht sie Filme an der DFFB und serviert Popcorn im Kino - süß, salzig oder gemischt.


Leo Geisler ist Filmemacher und Filmkritiker.
Er studierte Philosophie in Freiburg, Hong Kong und Berlin. Seit 2022 macht er Filmregie an der DFFB. THE FRENCH FLAMINGO FUCKER (Co-Regie mit Louis Gering) lief im mittellangen Wettbewerb des Max Ophüls Preis. 2024 war er Träger des Siegfried-Kracauer-Stipendiums für Filmkritik. Er schreibt regelmäßig für Revolver, Filmdienst und Jugend ohne Film.
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